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Plädoyer für Gerechtigkeit
„In the Name of Man“, ein Film von Andrea Canetta

Über das bewegende Werk „In the Name of Man“ des Regisseurs Andrea Canetta sollten Millionen von Zuschauern avisiert werden. Bis zum heutigen Tag haben nur einige Tausende das Privileg gehabt, diesen aufrechten, ehrlichen Film zu sehen, der über die Odyssee von Youssef Nada berichtet.


Youssef Nada

Bei der ersten öffentlichen Vorführung des Films „ In the Name of Man [1], hat Andrea Canetta hervorgehoben, dass es leider „tausende von Geschichten, wie die von Youssef Nada gibt, über die die Medien nicht reden wollen. Dieses beweist, dass sich gegenwärtig im Westen ein sehr subtiler Prozess der Schwächung des Rechtsstaats abspielt“.

Silvia Cattori : Ihr Film redet über die bestürzende Geschichte eines renommierten italienisch-ägyptischen Bankiers, dessen Leben im Jahre 1997, wegen wenig gewissenhaften Journalisten, die wahrscheinlich den Geheimdiensten nahe standen, zusammenbrach. Sie wollten seinen Namen mit dem Terrorismus in Verbindung setzen. Für die Alliierten der USA handelte es sich darum das Phänomen des „ Terrorismus“ zu übertreiben, ihm ein Angesicht zu geben, wobei praktizierende Muslime diabolisiert werden um Angst zu verbreiten und die Öffentlichkeit auf die nächsten Kriege vorzubereiten. Youssef Nadas Situation wurde nach den Anschlägen vom 11. September 2001 noch beängstigender, da sein Name von der Bush-Administration auf die „Schwarze Liste“ der UNO eingetragen wurde [2]. Ihr Film beweist und das ist sein hoher Wert, dass dieser so grausam mit den Füssen getretene Mensch in Wirklichkeit ein Mensch des Friedens ist, ein aussergewöhnlicher Mann. Wie es auch die Mediation, die Youssef Nada im Jahre 1989 in Afghanistan versucht hat, offenkundig macht. Ist dieser paradoxe Aspekt nicht der Schlüssel des Films?

Andrea Canetta : Tatsächlich war er bereit die afghanische Tragödie anzuhalten. Seine Mediation um dem afghanischen Volk einen neuen Krieg zu ersparen war im Begriff zu einem Ergebnis zu führen! Man sollte bedenken, dass Herr Nada vor allem vorgesehen hatte den Sowjets Karten von den verminten afghanischen Zonen zu übergeben. Wenn man sieht was sich dort abspielt bin ich zu höchst empört. Denn die von den Minen verursachten Verstümmelungen an zahlreichen Afghanen, die erzeugten Leiden, hätten vermieden oder zu mindest gemindert werden können.

Anstelle dessen hat das gemeinsame Vorgehen der saudi-arabischen und der amerikanischen Geheimdienste der Mediation von Herrn Nada Schranken gebaut, indem sie den afghanischen Vertreter, der die Vereinbarung mit den Sowjets abschliessen sollte, hinderten seinen Flug rechtzeitig nehmen zu können.

Dies alles ermöglicht uns zu verstehen warum man diesen Mann „fest hält“. Youssef Nada ist ein Mensch des Friedens. Aus diesem Grund störte er.

Leider verstärkt es die Idee, dass es Kräfte gibt, denen es wirtschaftlich und politisch gelingt, lediglich im Krieg zu florieren. Viele Menschen sind, aus persönlichen Interessen oder aus Angst Komplizen dieser Handlungsweise.

Es ist eine Impression, jedoch könnte ich es anders nicht ausdrücken. Ich bin schwer besorgt über die unklare Haltung der Schweizer Politiker- oder sie sind schwer von Begriff- in Bezug auf eine Reihe von äusserst ernsthaften Tatsachen, die die Freiheit und die Souveränität betreffen. Sehr schwerwiegende Symptome von etwas was sich auf subtile, unabwendbare Art und Weise abspielt sind vorhanden, ja, es ist furchterregend so etwas zu sagen.

Wenn man aus dieser Sicht die der CIA gewährte stillschweigende Erlaubnis betrachtet welche ohne das Wissen der Bevölkerung, den Überflug von gewissen Transporten ermöglichte, und wenn man die Tinner-Affäre hinzufügt [3], sowie den Fall von Youssef Nada, dann habe ich den Eindruck, dass es in unserem Land jemanden gibt, der macht was er will. Wenn ich „jemanden“ sage, meine ich damit sehr mächtige Nationen. Ich frage mich ob unser Land nicht einer Erpressung unterliegt und durch diese Tatsache dies zwangsläufig alles gestattet.

In der Affäre der Brüder Tinner, zum Beispiel, hat der Bundesrat die Dokumente vernichtet. Es handelt sich hier um einen unannehmbaren verfassungswidrigen Akt. Man durfte diese Dokumente nicht zerstören! Es sind Beweise, die der Gerichtsbarkeit entzogen worden sind. Der Bundesrat hat anschliessend erklärt: „ Wir haben diese Dokumente vernichtet, um zu vermeiden, dass sie in die Hände von Terroristen gelangen“.

Ich habe den Eindruck, dass die Schweizer Politiker die Bürger in gewissen Fällen für Idioten halten. Auch hier handelt es sich um einen ziemlich heiklen Fall. Ich habe den starken Verdacht, dass die Brüder Tinner von der CIA manipuliert worden sind, um über den Iran eine gefälschte Akte herzustellen, auf die gleiche Art und Weise wie es die CIA über den Irak getan hatte, und dass diese Wahrheit geheim bleiben musste.

Silvia Cattori : Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem „Märtyrertum“ von Herrn Nada, dem Überflug der CIA-Flugzeuge und dem Fall der Brüder Tinner?

Andrea Canetta : Diese drei Elemente sind nicht miteinander verbunden, ich setze sie aber neben einander weil unser Land schliesslich seine eigenen konstitutionellen Prinzipien in all diesen Fällen verletzt. Es ereignet sich, und dieses ist nicht ohne Bedeutung, unter dem Druck einer Nation, die der Weltgemeinschaft eine gewisse Vorgehensweise gezeigt hat.

Ich finde es beunruhigend, dass ein Staat öffentlich Lügen fabriziert um in ein Land einzufallen, seine Alliierten betrügt und sie aus reinem Interesse in ein Desaster mitzieht. Und das trotz der Tatsache, dass alles bekannt ist, der Bundesrat Dokumente vernichtet die wahrscheinlich der Beweis für einen anderen Fall sind, der in Vorbereitung ist und der dem gleicht was sie im Irak in Praxis umgesetzt haben.

Silvia Cattori : Wie erklären Sie sich diese Unterwürfigkeit der Schweizer Regierung?

Andrea Canetta : Ich habe eine starke Neigung zu glauben, dass Regierungen undurchsichtige Austausche auf vielen Ebenen haben. Eine der „heissen“ Akten für die Schweiz betrifft das Problem in Bezug auf die Aktivitäten der Banken, wie die der UBS, in den USA. Diese Akten sind der Gegenstand des Handeln abseits jeder Transparenz; wenn du mir das gibst lass ich dich das machen.

Wir kennen die Politikwelt, wir wissen diese Sachen ereignen sich dort. Wenn man soweit gehen muss und auf die Souveränität seines eigenen Landes verzichtet, ist dieses eine äusserst ernste Tatsache. Es ist unerträglich seine Bürger auszunutzen, um bestimmte Interessen zu wahren.

Das Besorgnis erregende ist, dass wir uns nun in einen Kontext von Paranoia befinden, in Verbindung mit Wirtschaft und der Angst vor dem Terrorismus. Ich weiss was ich dank dieser Behauptung riskiere, der Terrorismus ist ein übertriebenes Phänomen, manipuliert und ich vermute auch stark infiltriert ist.

Silvia Cattori : Die Journalisten waren nicht sehr daran interessiert diese Besorgnis erregenden Angelegenheiten aufzuklären. Sie sprechen auch nicht über Ihren Film?

Andrea Canetta : Sie sind ideologisch von einem Mediensystem konditioniert, welches sie benutzt. Was mich irritiert ist dass sich in Wirklichkeit die Sachen direkt vor unseren Augen abspielen. Wenn ein Film erscheint der sich mit einem heiklen Thema befasst, wie dieser Film, tut man so als ob er nicht existieren würde. Schweigen ist ihre Stärke.

Silvia Cattori : Sie haben eine klare Vision aber in der Praxis sind diese Realitäten nicht so leicht zu erklären. Wohingegen Bücher und Artikel eine breite Resonanz erhalten, die von Journalisten geschrieben sind, die der offiziellen Geschichte dienen. Ist dieses nicht entmutigend?

Andrea Canetta : Die Anziehungskraft der Macht und das verdeckte Einhämmern von Propaganda, unter dem Namen von einem bestimmten Journalismus, bewirken letzten Endes diese Situationen.

Ich verstehe nicht ob sie berichten was sie sagen und lügen weil sie ein Gehalt erhalten, oder ob es sich um einen Tauschhandel zu Gunsten von etwas handelt. Jene die zum Beispiel behaupten, dass der Iran eine grosse nukleare Drohung darstellt, geben wieder was der Mossad will. So müssen Länder und Völker angegriffen und vernichtet werden um die Hegemonie von gewissen Weltmächten auf einem gegebenen Gebiet zu garantieren.

Ich gehöre zu den Medien, ich versuche aber bezüglich der deontologischen Prinzipien sehr wachsam zu sein. Ich bin Regisseur. Ich sehe die Tatsachen aus einer humanen Perspektive.

Ich verstehe einfach nicht wie man sich keine Fragen über die offizielle Version der Anschläge von 2001 stellen kann, während 66% der New Yorker Einwohner, die kein Recht auf Stimme haben, nicht daran glauben [4]. Für eine grosse Anzahl von Leuten ist es geradeso offensichtlich! Es wird als die kriminellste und genialste „False Flag“ Operation der zeitgenössischen Geschichte wahrgenommen. Warum und wieso diese Ereignisse geschahen muss noch aufgeklärt werden, aber, wie es der Anti-Mafia Richter Giovanni Falcone [5] sagte, muss man die Geldflüsse verfolgen, denn die Mandanten hinterlassen Spuren, wie die Nacktschnecken. Wer hat seit dem 11. September 2001 sehr an Geld und an Macht gewonnen?

Silvia Cattori : Herrn Nada standen zuvor alle Türen offen. Er verhandelte mit den bedeutsamsten führenden Persönlichkeiten des Westens. Wo sind sie heutzutage?

Andrea Canetta : Es ist wirklich unangenehm festzustellen, dass Führungspersonen, die sich in seinem Freundeskreis befanden und zu seinen Beziehungen gehörten, sich sofort von Youssef Nada distanzierten, nachdem er verleumdet wurde. Das ist noch ein anderer unangenehmer Aspekt von diesen Beschuldigungen. In der arabischen Welt ist der Begriff Terrorist verheerend. In Youssef Nadas Kultur ist die Beschuldigung von Terrorismus wirklich entehrend. Ich wollte dem Film den Titel „ Wir sind alle Terroristen“ geben, laut dem Postulat, dass wenn er ein Terrorist ist, wir es also alle sind. Aber ich habe mich nicht getraut. Ich spürte, dass dieses Wort die Ursache von zuviel Leiden ist. Ich sage es aufrichtig, dies alles zerbricht mein Herz.

Der Dokumentarfilm ist eine Ausdrucksform, die in gewissem Masse ermöglicht, wichtige Nuancen über die Höhen und Tiefen des Lebens zu erfassen. In der Schilderung habe ich die Vergangenheit und die Gegenwart nach einer bestimmten Struktur gemischt, die allmählich die internationale Rolle von Youssef Nada im Orient und im Mittleren Osten enthüllt. Ich wäre glücklich, wenn die Leute, nachdem sie den Film gesehen haben, realisieren, dass Youssef Nada ein Mann des Friedens ist.

Silvia Cattori : Nach dem Film fühlt man sich etwas verloren, und man fragt sich was jeder von uns unternehmen kann um diesen furchterregenden Zyklus zu zerbrechen?

Andrea Canetta : Es ist wichtig, dass die Filmzuschauer die wahre Persönlichkeit von Youssef Nada kennen lernen und seine fundamentale Ehrlichkeit wahrnehmen können. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieser so ungerecht bestrafte Mensch den Diskurs eines Bürgers führt. Es ist wichtig diesen noblen und grosszügigen Aspekt von Youssef Nada zu erkennen.

Youssef Nada leidet viel unter den Ungerechtigkeiten, denen Völker, die er gut kennt, unterliegen. Der Entzug seines Vermögens, bedeutet nicht viel für ihn, auch nicht sein Prestigeverlust. Er leidet gewaltig darunter, dass er nicht mehr, das was er als seine Mission ansieht, fortsetzen kann: seinen Brüdern und Schwestern, die sich in Schwierigkeiten befinden, durch Wohltätigkeit helfen zu können.

Silvia Cattori : Wie kann man die Ablehnung von der Schweizer Regierung erklären, Herrn Nada seine Freiheit und die Nutzung seiner Güter wiederzugeben?

Andrea Canetta : Das Problem ist, ihm sein Ein-und Ausreiserecht in die Schweiz zurückzugeben, wie jedem Bürger. In Wirklichkeit lebt er in Italien, aber in einer Enklave mitten in der Schweiz [6]. Er fragt nur um das Durchreiserecht der Schweiz. Es ist sein Anrecht sein Durchreiserecht geltend zu machen. Es ist eine vollkommen berechtigte Anfrage. Diese Ablehnung von Seiten der Schweiz ist das Symbol von dem was auf dem Spiel steht.

Verstehen Sie worauf diese unbeschreiblichen Leute spekulieren indem sie ihn in dieser Situation beibehalten und indem sie seine Güter einfrieren? Sie wollen ihn zum Bankrott bringen. Und das wird das Ende sein, denn falls er Bankrott macht, wird er niemals mehr seine Anwälte bezahlen können, die er zu seiner Verteidigung in diesem juristischen Chaos, engagiert hat und alle seine laufenden Gerichtsverfahren würden eingestellt. Die Behörden, die ihn fest halten, ohne Lebensunterhaltungsmittel, wissen warum sie seine Güter eingefroren lassen. Alles ist Berechnung.

Warum sind seine Guthaben eingefroren? Sie gehören ihm, er kann aber nichts damit machen. Währenddessen fallen sie im Wert. Herr Nada weiss genau dass alles was er besitzt an Wert verliert. Seine Häuser verlottern weil man ihm nicht erlaubt, sich um sie zu kümmern.

Silvia Cattori : Wenn Frau Calmy-Rey sich auf das Recht bezieht, sind dieses nur leere Worte?

Andrea Canetta : Glauben Sie denn noch dass es Justizfehler sind? Analysefehler? Nein, nein. Diejenigen die den Krieg gegen den Terrorismus zustande gebracht haben, haben alles kalkuliert. Die Schweiz handelt dementsprechend. Die politischen Berater sind konditioniert und bedingt. Das habe ich vorhin gesagt: die beunruhigende Sache ist, dass es Länder gibt, die hier machen was sie wollen. Es ist keine Perversion der Schweiz. Man versteht, dass dieses Land einer Erpressung unterliegt.

Silvia Cattori : Üben Mächte eine Erpressung auf die Schweiz aus?

Andrea Canetta : Ich glaube nicht dass es „Skelette im Schrank“ gibt; denn die benötigen sie nicht. Das ist schlicht reine Arroganz. Als mich Youssef Nada gefragt hat: „Wer kann sie nunmehr stoppen?“ habe ich geantwortet: „ Sie können sich nur selbst vernichten“.

Silvia Cattori : Frau Calmy-Rey lügt also, wenn sie sagt, dass die Schweiz die Sanktionen der UNO anwenden muss?

Andrea Canetta : Die grossartige Geschicklichkeit aller Politiker ist die Volksgemeinschaft glauben zu lassen, dass er für sie sein Bestes tut, während er sich stattdessen nur über seine eigene Karriere Sorgen macht. Nehmen wir mal an Frau Calmy-Rey sei aufrichtig, im Wesentlichen befindet sich die Schweiz gegenüber einem Sicherheitsrat, der eine unilaterale Macht über die Mitgliedstaaten ausübt und der die Bürger der anfälligen Nationen vernichten kann. Wir haben es mit den „ Schwarzen Listen“ gesehen.

Hier befindet sich heute das grosse Problem der politischen Klasse: es handelt sich um eine Kaste im Dienst der Wirtschafts -und Finanzmächte. Der Krieg gegen den Terrorismus ist eine unvorstellbare, ausgemachte und wirtschaftliche Angelegenheit. Terrorismus ist eine unklare Angelegenheit. Es genügt um Kriege zu rechtfertigen und Völker endlos zu bekämpfen Artikel zu schreiben und von Geheimdiensten manipulierte Nachrichten zu verbreiten.

Man erteilt den Leuten Informationen die sie nicht überprüfen können. Wenn dann die öffentliche Meinung beginnt sich bewusstzuwerden dass die Terrorismusdrohung übertrieben wird und dass das Resultat davon nur die Einschränkungen der Freiheiten zum Ergebnis hat, ist es für bestimmte Geheimdienste sehr einfach ein Klima der Spannung hervorzurufen und einen Anschlag durch eine „False Flag Operation“ zu manipulieren. Dieses ermöglicht den Kriege wieder an zu kurbeln und, unter dem Vorwand von Sicherheit, die astronomischen Ausgaben zu rechtfertigen, die er mit sich bringt. Jedes Mal finden noch mehr Freiheitseinschränkungen statt, endlos bis hin zur absoluten autoritären Macht. Wer sind die Menschen, die das alles administrieren? Erinnern wir uns doch noch mal an das, was der Richter Falcone sagte.

Es ist sehr Besorgnis erregend zu denken dass Herr Dick Marty [7] - um den berühmten Titel von Fenimore Cooper „ Der letzte Mohikaner“ zu paraphrasieren- „ Der letzte Politiker“ (ehrenhafte) zu sein scheint. Das ist das Paradox. Unsere politischen Vertreter sollten alle so sein wie er und ehrlich aus entsprechenden Motivationen handeln. Er gilt stattdessen als „weisser Rabe“.

Silvia Cattori : Leute wie Sie, die wissen, dass Herr Nada ungerecht „fest gehalten“ wird, können nur darunter leiden?

Andrea Canetta : Melancholie und ein trauriges Herz sind persönliche Emotionen. Meine Melancholie wird in Realität durch die Tatsache gelindert dass ich mich freue diesen tiefsinnigen Mann getroffen zu haben, der mir die Augen über die menschlichen Beziehungen geöffnet hat, über die arabische Welt und auch über den Orient.

Silvia Cattori : Wenn man von diesem schmerzhaften und grauenhaften Experiment ausgeht ermöglicht Ihr Film zu verstehen, dass der angebliche Krieg gegen den Terrorismus gleichzeitig ein Krieg gegen unsere Freiheiten ist. Die Regierungen haben sich noch nie so oft, wie im Rahmen dieser Anti-Terror Hysterie, auf die Menschenrechte berufen, die sie letztendlich mit den Füssen treten?

Andrea Canetta : Die Menschenrechte können als Waffe benutzt werden. Wenn man die Menschenrechte mit zweierlei Mass misst werden sie zu einem Instrument des Westens, um bestimmte Länder zu unterwerfen. Unsere Diskurse über die Gesetze in islamischen Ländern zu verbreiten, gewisse Länder zu bezeichnen, die nicht die Menschenrechte respektieren und andere zu vergessen, bedeutet sie als Waffe zu benutzen.

Die Menschenrechte auszunutzen ist die grossartige Geschicklichkeit des Totalitarismus, der dabei ist sich zu verbreiten. Von einer bestimmten progressivsten humanitären Sprache Gebrauch zu machen, die sich auf das Gesetz beruft dient dazu die wahren Gründe, die sich oft hinter diesen Wörtern verstecken, zu verbergen. Ich habe kein Vertrauen in die UNO, so wie sie sich präsentiert. Wird die UNO nicht zukünftig das Instrument sein, die dem weltweiten Totalitarismus ermöglicht, uns kurz zu halten?

Silvia Cattori : Wie könnte man die Regierungen zwingen, die Ungerechtigkeit zu reparieren und den Menschen, wie Herrn Nada, die Freiheit wieder zurückzugeben?

Andrea Canetta : Herr Nada, so wie viele andere Personen die auf der „Schwarzen Liste“ stehen sind unschuldig und sie verdienen offizielle Entschuldigungen und Entschädigungen für den Schaden den sie erlitten haben. Italien und die Schweiz sollten sofort intervenieren und verlangen dass ihre Namen von dieser „Schwarzen Liste“ gestrichen werden, damit sie sofort wieder ihre Freiheiten wiederfinden können und den Zugang zu ihren Gütern.

Ihre Geschichte enthüllt beispielhaft was das Konzept vom „ Kampf der Kulturen“ in Wirklichkeit ist: keine Analyse sondern aber eine politisch-militärische Strategie am Werk. Ich glaube dass es wichtig ist diese Geschichte bekannt zu machen, denn sie betrifft jeden von uns, unsere Demokratie und die Werte, die wir behaupten zu verteidigen.

Silvia Cattori

Übersetzung aus dem Französischen : Monica Hostettler (10.03.2009)

Französische Fassung (26.02.2009):
http://www.silviacattori.net/article753.html



[1„In the Name of Man“ von Andrea Canetta, 50, Regisseur aus der italienischen Schweiz, wurde zum ersten Mal an den „ 44. Solothurner Filmtagen“, am 20.01.09 vorgeführt. Das Interview fand dort statt.

Der Originalfilm „ Nel nome dell ’ uomo“ ist in Italienisch und ebenfalls verfügbar in Englisch. Es gibt eine arabische Fassung (Al Jazeera). Bitte wenden Sie sich an [email protected] für eventuelle Vorführungen während Konferenzen oder Festivals: [email protected]

[2Siehe: „Die unglaubliche Geschichte von Youssef Nada“, von Silvia Cattori, silviacattori.net, 17. Juni 2008.

[3Siehe: Der Fall Tinner „Schweizer Regierung kuschte vor den USA“, swissinfo.org, vom 23. Januar 2009.

[4Zusammengetragene Information von Andrea Canetta am «Ground Zero », beim Komitee der New Yorker Einwohner.

[5Giovanni Falcone, 1939 in Palermo geboren, war ein sehr bekannter engagierter Richter im Kampf gegen die Mafia. Er ist im Mai 1992 ermordet worden.

[7Herr Dick Marty erweist sich als sehr rigoros mit diesen Akten.

Über das Problem der „Schwarzen Listen“ schrieb er in seinem Bericht im März 2007: “The UN’s current “blacklisting” procedure not only violates fundamental rights, by doing flagrant injustice to many persons against whom there is no proof of any wrongdoing. It also decredibilises the whole of the international fight against terrorism, (…).”
(Siehe: „UN Security Council black lists - Introductory memorandum“, Berichterstatter: Herr Dick Marty, Committee on Legal Affairs and Human Rights of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe, 19. März 2007. (S. 4 V. Conclusion, 16) ). [Englisch]

Und in seinen Presseerklärungen zeigte er „(…) die gefährliche Aufweichung von grundlegenden Rechten und Freiheiten“ im Rahmen der Terrorbekämpfung verdeutliche,(…)“ an.
(Siehe: „Dick Marty kritisiert UNO-Liste“, Swissinfo.ch, vom 25. April 2007.)

In Bezug auf die Vernichtung der Dokumente durch den Bundesrat hat er erklärt: « Ce qui s’est passé est gravissime : des pièces ont été soustraites à la justice et détruites à tout jamais, alors qu’il y avait d’autres solutions. On n’a jamais rien vu de tel dans notre pays. »
(Siehe auf Französisch : Dick Marty: «Le Conseil fédéral s’est prostitué pour Les États-unis», L’Hebdo, vom 29.01.2009.)