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Verpflichtung zur Wahrheit
Islam: Der fabrizierte Feind

Es wird die Zeit kommen wo die Verantwortlichen der Verbrechen gegen die Menschheit, und die die den israelisch-palästinensischen Konflikt und andere Konflikte unserer Epoche begleitet haben, vor den Gerichten der Menschen oder der Geschichte aufgerufen werden und zusammen mit ihren Komplizen und allen, die im Westen das Schweigen, die Feigheit und den Opportunismus gewählt haben, zur Verantwortung gezogen werden“. (*)

Die Kriegstreiber haben sich auf isolierte Anschläge von unaufgeklärten Herkünften gestützt, um Oussama Ben Laden, Saddam Hussein, die Palästinenser und, im generellen, Muslime zusammen zu beschuldigen und damit unsere Meinung zu beeinflussen [1].

Zur Rechtfertigung ihrer unilateralen Kriege und unter dem Deckmantel eines „weltweiten Krieges gegen den Terrorismus“, legalisierten sie Verletzungen der Völkerrechte und benötigten so die Fabrizierung eines Feindbildes. Sie fingen an zu lügen und erzeugten diesen Feind.

Muss man daran erinnern, dass die Bush- Administration im Jahre 2003, bevor sie im Irak einfiel, falsche Dokumente vorlegte, um auf diese Art und Weise den Besitz von „Massenvernichtungswaffen“ des Präsidenten Saddam Hussein und auch eine irakische Verantwortung bei den Anschlägen vom 11. September 2001 bestätigen zu können ?

Diese ungeheuerliche Verfälschung war nur eine von den zahllosen verbreiteten Lügen um die ganze Welt in die kriminellen Kriege mit sich zu ziehen.

Wir wissen seit 2005, dank der Ermittlung die Herrn Dick Marty, Schweizer Ständerat, vom Europarat anvertraut wurde [2], dass Offiziere der CIA und des FBI im Rahmen des angeblichen „Krieges gegen den Terror“, zahlreiche Muslime rein zufällig gekidnappt und sie in Geheimgefängnisse verschoben haben, um sie dort bestialisch zu foltern. Wir wissen ebenfalls, wie europäische Länder eng an diesen Aktivitäten teilgenommen haben, trotz ihrer angeblichen fundamentalen Prinzipien, auf die sie sich immer berufen. [3]

Wir können uns aber nur sehr schwer vorstellen in welchem Aussmass diese Machthaber Journalisten und Public Relation Agenturen benutzen um Angst zu verbreiten und auf diese Art [4] demVolk eine verfälschte Auffassung der Tatsache aufdrängen.

Wir befinden uns in einem sehr beängstigenden Moment. Der Pariser Intellektuellenkreis ist in einem parareligiösen Abdriften, in latenter Islamophobie (…) Es gibt keinen Grund Angst vor dem Islam zu haben“ antwortete der französische Intellektuelle Emmanuel Todd dem Journalisten, der ihn fragte, ob er keine „Angst vor Muslimen“ hätte. [5]

Dennoch ist diese Angst vor den Muslimen im Westen deutlich spürbar.

Es reichte den Ideologen, Anhängern des „ Schock der Kulturen“ zu sein, um den Islam mit Terrorismus und Kopftuchtragen mit „ Fanatismus“ zu verbinden, damit sich langsam und tückisch ein Gefühl von Unsicherheit infiltrierte und sich dadurch eine tiefe Ablehnung gegen diese Religion auslöste. Man muss leider feststellen, dass die Mehrheit der bedeutesten Medien weitgehend ihre rassistischen Argumente verbreitet haben, bewusst oder aus Unkenntnis, trugen sie bei, diese vielseitige Manipulation aufzubauschen.

Journalisten, Massenblätter und Fernsehmoderatoren haben auf erstaunliche Art ihre Posten missbraucht. Wir sind davon die unmittelbaren Zeugen.

Jeder von uns kann sich an solche Kommentatoren oder Sonderbeauftragten in Irak oder in Palästina erinnern, die diejenigen als „Terroristen“ bezeichneten, die sich gegen den Angreifer auflehnten, obgleich es sich um Widerstandskämpfer handelte. Oder auch einer von solchen Journalisten, der systematisch absurde Ideen über das Kopftuch und die Schari’a, das islamische Recht, verbreitete, um den Eindruck zu pflegen, dass Muslime „ nicht so sind wie wir“, dass sie nicht „unsere“ Werte akzeptieren und so jede Gelegenheit wahrnahm um Muslime mit „Fanatismus“, „Rückständigkeit“ oder mit der „Unterdrückung“ der Frau in Verbindung zu setzten. [6]

Ohne diese unbarmherzigen Kampagnen des systematischen Schlechtmachens der Kultur und der Traditionen der arabischen Gesellschaft, hätte das Steigern der islamophobischen Vorurteile nie solch eine Dimension eingenommen und auch hätte nicht eine solch totale Gleichgültigkeit der Mitmenschen fortbestehen können, trotz der unerträglichen Bilder von gefolterten Häftlingen oder von zerfleischten Zivilisten durch die Bombardierungen in Palästina, im Libanon, in Irak und in Afghanistan.

Man sollte die Dinge beim rechten Namen nennen. Das was uns als Krieg vorgestellt wurde um „das Gesetz und die Sicherheit wieder herzustellen“, war mehr oder weniger ein islamophobischer Krieg, ein vollkommen instrumentalisierter Krieg durch diejenigen, die an den Interessen Israels im Mittleren Osten ergeben beteiligt sind.

In Ländern, wie zum Beispiel die Schweiz und Italien, wo keine Anschläge stattgefunden haben, die man Arabern oder Muslimen hätte zuteilen können, sind Personen, denen nichts vorzuwerfen war, wegen ihrer religiösen Zugehörigkeit gezielt visiert worden. Und - in allen gesellschaftspolitischen Kreisen - aber vor allem seit dem Jahr 2000, haben die Leute begonnen, kopftuchtragende Frauen und Gläubige, die Moscheen besuchten, mit immer mehr Misstrauen anzusehen.

Diese bewusste oder unbewusste Kriminalisierung von Bürgern (die Europäische Union hat eine Anzahl von 15 Millionen Muslimen) hatte eine höchst politische Motivation. Sie sollte die öffentliche Meinung vorbereiten dem Krieg beizupflichten oder ihn zu akzeptieren.

Die Kriminalisierung der Muslime hat dazu gedient die Öffentlichkeit zu konditionieren, damit niemand mit den Leiden, die unsere „Verfechter der Freiheit“ ertragen liessen, Mitleid empfinden würde und sie diente auch dazu die staatlichen Verbrecher vor jeglicher Kritik zu schützten.

Diese zynische Politik, zu der die unterworfenen Journalisten unleugbar beigetragen haben, trägt einen Namen: „Strategie der Spannung“. Es ist eine Strategie, die darin besteht, gezielt gewöhnliche Bürger anzuvisieren und sie zu demütigen. Getroffen sind dadurch Muslime die, die Gesetze respektieren und die trotzdem absurder Sachen beschuldigt werden, um ihnen dann im angebrachten Moment, die Verantwortung von Provokationen oder Anschlägen, welche von staatlichen Untergrundagenten vorbereitet wurden , zu zuteilen, und das hat sich öfters ereignet als man es sich vorstellen kann – obwohl diese Taten zuweilen von den Untergrundagenten selbst begangen wurden.

Das ist keine Fiktion. In seinem Buch «NATO Geheimarmeen in Europa» hat der Schweizer Historiker Daniele Ganser [7] gezeigt, wie während des „Kalten Krieges“ die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten zusammen mit der CIA ein von der NATO gebildetes heimliches Netz , „Gladio“ genannt, benutzt haben um mörderische Anschläge zu stiften und sie dann den Kommunisten zu zuteilen. Vincenzo Vinciguerra, der an der Vorbereitung dieser Bombenanschläge gegen Unschuldige teilgenommen hat, hat später bestätigt, dass das ersuchte Ziel dieser Massaker war, Panik auszulösen, und die Behörden auf diesem Weg zu einer autoritären Regierung zu verleiten.

Sind heute, ohne unser Wissen, die gleichen Manipulationen nicht immer noch am Werk?

Aber heute visieren die staatlichen Manipulatoren nicht mehr wie in den 60-ziger und 80-ziger Jahren die Linksradikalen und die Kommunisten an; heute visieren sie die Araber und die Muslime an. Jeder Anschlag wird sofort durch aufgerufene „Terror-Spezialisten“ ausgenutzt, um die Attentate zu kommentieren und zu erklären, und dadurch die Debatte wieder neu aufleben zu lassen und das Misstrauen gegenüber dem Islam ständig zu verstärken.

Im Generellen gibt es keine Reaktionen um die Willkür und die Verfälschungen in Frage zu stellen. [8] Umso leichter ist es falsche Nachrichten zu verbreiten, denn trotz ihrer Pflicht zeigen die traditionellen Medien nicht die Neigung zu prüfen, ob die offiziellen Versionen überhaupt plausibel sind. [9]

Die Bürger, die in diese Desinformation geraten sind, sind weit davon entfernt sich vorzustellen, dass ihre Behörden mit Beihilfe der „Vierten Macht“, durch Einsetzung von Strategien, die gegen das Interesse der Bürger wirken, auf irgendeiner Weise verwickelt sein könnten. Und man kann sie verstehen.

Aber heute ändern sich die Zeiten: die Opfer treten aus der Talsohle heraus und beginnen zu reden [10]. Und Einige von ihnen äussern ihre bitteren Vorwürfe gegenüber diesen Journalisten und Zeitschriften, die der Ursprung ihres Abstiegs in die Hölle gewesen sind. Man sollte ihnen dringend zuhören und das Geheimnis über diese dunkle Zeitspanne zutage fördern.

Die folgenden zwei Beispiele betreffen zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die aber eine Sache gemeinsam haben und zwar: sie sind beide die Zielscheibe von unbegründeten und verheerenden Beschuldigungen gewesen, von Seiten der deutlich tendenziösen Medien.

Die tötenden Lügen: der Fall von Youssef Nada

Herr Nada, Ingenieur und italienischer Bankier von ägyptischer Abstammung, ist eines der beispielgebenden Opfer dieser unwahren Medienkampagnen. Auf die Beschuldigungen von einer Handvoll von Journalisten ist er auf die Schwarze Liste der UNO eingetragen worden. Obwohl seine Unschuld von den Gerichtshöfen bestätigt worden ist, verbleiben seine Guthaben eingefroren und er bleibt weiterhin, seit 2001, unter Hausarrest in dieser winzigen Enklave von Campione d’ Italia. [11]

Er leitete in der Schweizer Stadt Lugano eine gut gehende Bankgesellschaft, als ein Zeitungsartikel von Guido Olimpio, erschienen im „Corriere della Sera [12], brutal sein Leben änderte. Der Journalist beschuldigte ihn damals, die palästinensische Gruppe Hamas zu finanzieren. Eine Gruppe, die der israelische Besatzer als «Terrorist» bezeichnete. Die Zielsetzung Israels war, dass die westlichen Länder die Hamas derartig bezeichnen würden.

Das war im Jahre 1997, was uns wiederum bestätigt, dass die Strategie der Kriminalisierung schon gut vor den Anschlägen vom 11. September 2001 am Werk war. Die gegen Herrn Nada formulierte Beschuldigung hatte äusserst schwere Folgen. Obgleich sie vorschriftsmässig dementiert wurde, ist sie von anderen Journalisten ohne Überprüfung übernommen worden und so zur Schlagzeile der internationalen Presse geworden [13]. Zum Schluss stand sie als „Wahrheit“ da.

Der Zweifel und die Schande von denen Herr Nada betroffen wurde, erlaubten erst einmal diesen eminenten Oppositionellen der diktatorischen Regierung des Präsidenten Moubarak (ein Verbündeter der Vereinigten Staaten und von Israel) zu stigmatisieren und die Muslimbruderschaft zu diskreditieren, von der Herr Nada ebenfalls eine der meist geehrtesten Persönlichkeiten ist.

Die Beschuldigungen vom „Corriere della Sera“ erlaubten dem FBI, Herrn Nada wegen den Anschlägen vom 11. September anzuzeigen und ihn als schuldig zu erklären.

Herr Nada schreckte zusammen als er am 7. November 2001 im Fernsehen den Präsidenten der Vereinigten Staaten sagen hörte, dass die Gesellschaft Al Taqwa, die er in Lugano leitete, der wichtigste Geldbeschaffer von Oussama Ben Laden war.

Auf welchen Beweis konnte so eine enorme Beschuldigung von Herrn Bush beruhen? Der einzige, den die Beamten vom FBI jemals den Schweizer Behörden vorgelegt haben, bleibt der Artikel vom „Corriere della Sera“, der im Jahre 1997 von Guido Olimpio geschrieben wurde.

Was nur eine unbegründete Beschuldigung hätte bleiben können, hat sich in eine weltweite offizielle „Wahrheit“ verwandelt, die illegale Sanktionen ermöglichte und Kriege legitimierte.

Dieses Mal wurde Herr Nada nicht nur mit der palästinensischen Bewegung Hamas in Verbindung gebracht, sondern mit dem «Teufel» in Person, Oussama Ben Laden! Das Leben von Herrn Nada war vernichtet.

Wie er es selbst in dem Film sagt, den Andrea Canetta ihm gewidmet hat: „ Jemanden in meinem Alter zu verleumden kommt darauf aus ihn zu töten, bevor er verstirbt. Sie haben mich ermordet. Die Tatsache, dass ich aufrecht vor Ihnen stehe, bedeutet nicht dass ich am Leben bin. Sie mich haben getötet, mich und meine Familie, meinen Ruf. Sie haben alles, das was ich während meines Lebens aufgebaut habe, zerstört [14].

Ein kafkaeskes Räderwerk, welches sich auf eine reine Lüge stützte, fing an sich zu verbreiten. Herr Nada wird seit sieben Jahren gezwungen vor den Gerichten und vor der öffentlichen Meinung zu kämpfen, damit ihm endlich wieder Gerechtigkeit widerfahren wird.

Das Übel geschah. Selbst wenn ihm in der Zukunft Gerechtigkeit widerfahren sollte, ist sein Leben schon verschandelt worden.

Der Fall von Kassim Britel

Es handelt sich um eine andere grausame Geschichte. Sie betrifft einen Italiener von marokkanischer Abstammung, der Opfer, wie Tausende andere Muslime, der sogenannten „extraordinary renditions“ ist, eine der vielen kriminellen Operationen der CIA.

Am 10. März 2002 wurde Herr Kassim Britel auf einer Reise in Pakistan von den pakistanischen Geheimdiensten entführt. Er ist gefoltert worden und wurde dann an die Offiziere vom FBI und der CIA „verkauft“, ja verkauft! [15]. Er wurde auch von ihnen gefoltert und sie haben ihm eine Geldsumme und die Freiheit versprochen falls er akzeptieren würde, für sie Muslime auszuspionieren. Da er dies ablehnte wurde er dem marokkanischen Geheimdienst ausgeliefert, die ihn verhörten und ebenfalls folterten. Bis zum heutigen Tag ist er immer noch in ihren Händen, obwohl seine Unschuld bewiesen worden ist, und trotz der dringlichen Aufforderung an die italiensche Regierung, die in der Resolution des Europaparlaments über die „ Geheimflüge der CIA“ enthalten sind, die Italien auffordert , “konkrete Schritte zu unternehmen um die unverzügliche Freilassung zu erwirken”.

Auch in diesem Fall gibt es eine in Schock versetzte Familie, durch die Art und Weise wie man einen Ehemann, einen Sohn oder einen Bruder in einen „Verbrecher“ verwandelt hat. Auch in diesem Fall, so scheint es, sind es die nie bewiesenen Beschuldigungen eines Journalisten gewesen, die der Ursprung der Dämonisierung des Opfers gewesen sind.

Seine Frau erzählt mit sanfter Stimme ihren Leidensweg. „ Mein Ehemann ist von einigen Journalisten, die scheinbar verbreiten was die Geheimdienste wollen, auf sehr schwerwiegende Art verleumdet worden.“ Frau Britel hat aus diesem Grund ein Gerichtsverfahren gegen die italienischen Tageszeitungen „Corriere della Sera“ und „Libero“ eingeleitet.

Noch bevor mein Mann illegalerweise entführt wurde und den CIA-Agenten in Pakistan übergeben wurde, d.h. schon im Jahre 2001, vier Monate vorher, hatte Guido Olimpio einen Artikel geschrieben in dem er meinen Mann als gefährlichen Terrorist darstellte. Ich war sehr wütend. Er schrieb, dass er immer auf Reisen wäre, Mitglied eines islamistischen Terroristennetzes wäre, dass er gefälschte Ausweise lieferte, dass unsere Namen und unsere Adressen in Kabul gefunden worden waren und dass er, unter dem Deckmantel einer anonymen und ruhigen Lebensweise, in regelmässigen Abständen verschwand. Er sprach von Reisepässen, die in unserer Stadt gestohlenen worden sind, von seiner angeblichen Zugehörigkeit an die „ GSPC (Groupe salafiste pour la prédication et le combat), die mit Oussama Ben Laden in Verbindung gesetzt wird“.

Alles nur reine Erfindungen! Mein Ehemann führte ein normales Leben. Wie kann nur eine Zeitung in einem zivilisierten Land akzeptieren, dass man solche Sachen erfindet? Es gelang mir nicht mehr zu argumentieren. Ich sagte zu mir: Schau mal was sie uns getan haben! Es hat unsere Familie zerstört. Da ich meinen Ehemann verteidige und weil ich das Kopftuch trage, wollen sie auch mich verantwortlich machen.

Der Journalist führte nie einen Beweis vor, der den Inhalt seiner Denunzierungen rechtfertigen konnte. Während ich die Artikel las, sagte ich mir, dass er nicht über meinen Mann spricht, alles war so absurd, diese erfundenen Sachen, dass dieser Journalist von jemand anderem sprach, dass er diese Sachen erfand um ein Porträt über denjenigen zu erstellen, aus dem er einem sogenannten „schlafenden Terroristen“ machen wollte. Nichts stimmte mit der Wirklichkeit überein. Es waren willkürliche Behauptungen, die auf nichts ruhten und trotzdem liess er in seinen Bemühungen nicht nach, Lügen zu verbreiten die dargeboten wurden, als ob sie schwerwiegende Enthüllungen seien, die meinen Mann beschuldigten.

Es war in diesem unannehmbaren Kontext der rassistischen Radikalisierung, die auf die Anschläge vom 11. September folgten, als der „Corriere della Sera“, das islamophobe Pamphlet von Oriana Fallaci „ La rabbia el’orgoglio“ [16] zu 2 Millionen Exemplaren veröffentlichte. Es bezeichnete den Islam als „Nazifaschismus“ und rief zum Hass gegen Muslime auf.

Ich erinnere mich, als ich am 19. November 2001, eine Meute von Journalisten an meiner Arbeitsstelle vorfand, die auf mich warteten. Und am 20. und 21. November erschienen zehn Artikel. Die Artikel die am belastendsten waren, waren jene vom „Corriere delle Sera“. [17] Die Leute denen ich begegnete sagten zu mir „Hast Du den Titel vom Corriere gelesen?“

Als ich diesen Unsinn las, war ich wie gelähmt. Selbst wenn ich reagieren wollte, konnte ich es nicht. Ich musste aus meinen Haus fliehen.

Ich habe an den Präsidenten, die Minister geschrieben. Seit Jahren verlange ich nach Gerechtigkeit. Seine Unschuldigkeit hat Kassim nicht geholfen seine Freiheit und sein Würde zu erlangen. Sein Leben ist in Gefahr. Ich bin erschöpft und empört. Wir sind Bürger ohne Rechte.

Als im Anschluss an meine strafrechtliche Denunzierung Guido Olimpio von der Kriminalpolizei vorgeladen und verhört wurde, hat er erklärt: „ Die Informationen stammen von verschiedenen Organen der italienischen und auch der ausländischen Auskunftsdienste, - eine vertrauliche Mitteilung. “ War es nicht eine Art und Weise zuzugeben, dass er vom Anfang bis zum Ende gelogen hatte?

Ich möchte unterstreichen, dass die Rolle der Berlusconi-Regierung und von seinen Geheimdiensten - damals unter Leitung von Franco Frattini [18] – fundamental in dieser Angelegenheit sind. Sie waren in Bezug auf die Verhaftung von meinem Ehemann und über das was er erlitt auf dem Laufenden, aber sie sagten es mir nicht. Die Polizei kollaborierte im aussergerichtlichen Rahmen mit der CIA, den Geheimdiensten von Pakistan und von Marokko, wie es im September 2006 in den Akten der italienischen Ermittlung bewiesen wurde, die geschlossen und archiviert wurden“.

Warum haben sie so gehandelt?

Die Erklärung ist folgendes Ereignis. Es war im Jahr 2001, kurz vor dem G8-Gipfeltreffen in Genua. Die Medien waren voll von Artikel die ankündigten, dass sich Gruppen „islamistischer Extremisten“ vorbereiteten gegen die Polizei am G8 „ verseuchtes Blut“ einzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Polizei gegen alle Muslime, die die Moschee besuchten, eine Untersuchung eingeleitet und Hausdurchsuchungen unternommen. Als unser Haus im Juli durchsucht wurde, war Karim auf Reisen in Pakistan. Damals versetzte die Presse Italien durch ihre Headlines in Aufregung, die ankündigten, dass höchstwahrscheinlich mit unmittelbar bevorstehenden Angriffen der „Islamisten“ zu rechnen war. Man muss bemerken, dass es während dem G8- Gipfeltreffen keinen Angriff gab, der von Muslimen organisiert gewesen ist. Es gab dagegen Provokationen und Gewalttaten seitens der Polizei.

Am 29. September 2006, zwei Monate nach der Schliessung der Gerichtsakte von Kassim durch das Gericht, erschien im „Corriere della Sera“, der immer Headlines veröffentlicht hatte um meinen Mann zu diffamieren und ihn mit dem internationalen Terrorismus, mit den Taliban und mit Bin Laden in Verbindung gesetzt hat, eine kleine Notiz auf Seite 13, mit dem Titel: „Terrorismus, inkonsistente Beschuldigungen für Britel“ . So wurde unerwartet in dem Moment , wo er als unschuldig erklärt wurde, aus „ El Kassim“, wie Guido Olimpio ihn immer genannt hatte, „Britel“.

Die Zeitungsleser sind natürlich nicht unbedingt im Stande gewesen, einen Zusammenhang zwischen dem fabrizierten „ Terroristen“ und dem aufrichtigen Mann, der ungerecht fast sieben Jahre inhaftiert und gefoltert worden war, zu sehen. Der Leser wurde auch nicht darüber informiert, dass „Britel“ ein Opfer der grauenvollen „renditions“ war und der illegalen CIA-Geheimgefängnisse, die vom Europarat und dem Europaparlament verurteilt wurden. Letzten Endes sind die Leser bis zum Schluss desinformiert worden.“

Wie es diese beiden empörenden Beispiele zeigen, geben die Medien im generellen nicht dem menschlichen Leiden, das durch die Verletzungen des internationalen Rechts der Grossmächte im Rahmen des „Kampfs gegen den Terrorismus“ verübt wird, den Vorrang. Der Vorrang ist, die Menschen und die Buchhandlungen mit Artikel und Bücher zu überschwemmen, die eine Verbindung zwischen „ Islam und Terrorismus“ schildern. Der Vorrang ist, die Angst des „religiösen Terrorismus“ zu schüren, diese – „ Hydra mit vielen Gesichtern“ - die „ sich bis vor unsere Schwellen ausbreitet [19].

Die Entmenschlichung der Araber ist eine Kriegswaffe. Eine Waffe, die der israelische Kolonialstaat immer mit eindeutigem Erfolg benutzt hat. So sind die Palästinenser immer misshandelt und von dem Besatzer falsch als „Terroristen“ beschrieben worden.

Währenddessen ist es Israel gelungen, hinter der Sichtblende von angeblichen „Friedensverhandlungen“ die westliche Welt in seine militärische Konfrontation mit der arabischen Welt mit einzuziehen und sein «orwellsches» Überwachungssystem der Bevölkerungen akzeptieren zu lassen. Israel hat erreicht seinen regionalen Konflikt in eine weltweite kriegerische Auseinandersetzung zu verwandeln, in einen Weltkrieg gegen den Islam.

Dieser Kriegszustand, der seit 60 Jahren die Völker des Mittleren Ostens demütigt und sie mit Blut befleckt, und wo Lügen die öffentliche Meinung regieren, hat schon zulange gedauert.

Heute haben wir, während unser Planet durch zahllose Konflikte innerhalb von Gruppen, zwischen Staaten und selbst innerhalb von kulturellen Sphären „vermint" ist, einen gewaltigen Bedarf nach « Friedensjournalismus», der uns die Schlüssel bietet, um diese Konflikte zu verstehen, der uns Materien verschafft um die Widersprüche zu erfassen, die diese Konflikte reflektieren und der uns Hinweise zum Nachdenken über die Art und Weise bietet, wie man diese Konflikte verwandeln und transzendieren kann.“ [20]

Um zur Beendung dieser grausamen Konflikte beizutragen, darf man keine Angst haben die Wahrheit zu sagen, auch wenn es nicht sehr angenehm ist. Denn es ist gewiss noch viel unangenehmer, über die ertragenden Leiden der Unschuldigen zu erfahren, die ungerecht bestraft sind.

Aber, wie es der Journalist Alan Hart zu Recht sagt:
Die Hölle ist, wenn sie verstehen, dass ihr Leben seinem Ende zu geht und sie nicht alle ihre Begabungen und alle ihre Mittel soweit wie möglich mobilisiert haben, wie sie es hätten tun können, um etwas zu ändern, - d.h. die Hölle ist der Moment, in dem sie sich nach reiflichem Bedenken bewusst werden, dass sie ihr Leben vergeudet haben. Dagegen ist das Paradies das in Betracht ziehen- ohne Angst zu haben- dass sich ihr Todestag nähert, weil sie im Gegenteil wissen, dass sie es versucht haben, wenn auch nur wenig, die Welt zu ändern.“ [21]

Silvia Cattori

(*) ISM-Italia

Übersetzung aus dem Französischen: Monica Hostettler (20.11.2008).

Französische Fassung (16.11.2008):
http://www.mondialisation.ca/index.php?context=va&aid=10983



[1Über die „Strategien der Lüge in der zeitgenössischen Politik“ lesen Sie bitte das Buch: La fabbrica del falso , von Vladimiro Giacchè, Verlag: Drift Approdi, 2008 (Italienisch).
Siehe auch folgenden Artikel: Der Krieg gegen die Wahrheit - von Vladimiro Giacché .

[2Siehe:
Alleged secret detentions and unlawful inter-state transfers of detainees involving Council of Europe member state”, Committee on Legal Affairs and Human Rights of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe, Berichterstatter: Herr Dick Marty, 12. Juni 2006.

Und: “Secret detentions and illegal transfers of detainees involving Council of Europe member states: second report”, Berichterstatter: Herr Dick Marty, Committee on Legal Affairs and Human Rights of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe, 11. Juni 2007.

Siehe auch: „Nichtständiger Ausschuss zur behaupteten Nutzung europäischer Staaten durch die CIA für die Beförderung und das rechtswidrige Festhalten von Gefangenen“, Berichterstatter: Giovanni Claudio Fava, Europäisches Parlament, 1. Juni 2006.

[3Siehe: “Jean-Claude Paye : Les lois antiterroristes. Un acte constitutif de l’Empire”, von Silvia Cattori, Réseau Voltaire, 12. September 2007.

[4Siehe:
Wie die Öffentlichkeit in Kriege gelogen wird“, von Tobias Salander, Zeit-Fragen, 27. Februar 2007.
Siehe auch: „Wie die kroatische PR-Maschinerie mit «Ruder Finn» auf Polarisierungskurs ging“ Auszug aus dem Buch «Kriegstrommeln? Medien, Krieg und Politik» von Mira Beham, Zeit-Fragen, 14. Mai 2007.

[5Siehe: “Le milieu intellectuel parisien est dans une islamophobie latente” , Interview von Emmanuel Todd, El Watan, 3. November 2008.

[6Einige Beispiele: Daniel Pipes in den USA. Der «Philosoph» Alain Finkielkraut und der Journalist Alexandre Adler in Frankreich.

[7Die Lüge als Instrument der politischen Manipulation - Die Strategie der Spannung und die Nato” . von Silvia Cattori, Réseau Voltaire, 18. Januar 2007.

“Daniele Ganser : NATO Geheimarmeen in Europa- Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung”, Orell Füssli Verlag, Zürich, März 2008, ISBN 978-3-280-06106-0

[8Mitten während der israelischen Offensive hat Guido Olimpio sehr ernsthafte Beschuldigungen geäussert um den Gegner Israels, der aus unserer Sicht der Angegriffene war, zu kriminalisieren. Siehe: “Droga e viagra, così si finanzia Hezbollah” von Guido Olimpio,Corriere della Sera, 22. Juli 2006.

[9Die Journalisten, die die offiziellen Geschehen in Frage stellen und die die Schwachpunkte hervorheben, werden verstossen und gezwungen ins Exil zu gehen, wie der Ermittlungsjournalist von der American Free Press, Christopher Bollyn oder wie Jürgen Cain Külbel, der gerichtlich verfolgt wird.

[10Siehe: “Zeugenaussage von Sami al-Haj, Journalist bei Al-Jazeera”, von Silvia Cattori, Réseau Voltaire, 27. Juli 2008.

Moazzam Begg, ein anderer Überlebender von Guantanamo, erzählt seine Geschichte in seinem Buch: “Enemy Combatant: The Terrifying, True Story of a Briton in Guantanamo”, Verlag: Pocket Books.

[11Siehe: “Die unglaubliche Geschichte von Youssef Nada”, von Silvia Cattori, Réseau Voltaire, 27. Juli 2008.
Und: “Youssef Nada: Uns hat das Übel schon erreicht”, von Silvia Cattori, silviacattori.net, 2. November 2008.

[12Ab 1987 war er der Chef der Auslandsrubrik vom Corriere della Sera. Korrespondent in Israel von 1999 bis 2003.
Siehe Artikel : “Hamas perde metà del tesoro” , von Guido Olimpio, Corriere della Sera, 20. Oktober 1997.

Siehe auch: Anmerkung bezüglich Herrn Olimpio auf der offiziellen Homepage von Youssef Nada.

[13Richard Labévière, Journalist vom Sender RFI, hat die Beschuldigungen von Olimpio weiterberichtet. In dem Dokumentarfilm, der vom Schweizer Fernsehen TSR gesendet wurde, setze er Herr Nada mit dem Attentat in Luxor in Verbindung, wo im Jahre 1998, 60 Touristen, hauptsächlich Schweizer getötet wurden. Die damalige Schweizer Bundesanwältin Frau Carla Del Ponte hatte Herrn Nada daraufhin verhört. Ihr Befund war, dass die Information laut der Al Taqwa – die Firma von Herr Nada - Terrorismus finanzieren würde, auf „Dienste“ zurückzuführen sind und dass „Herr Nada und seine Firma nichts mit Terrorismus zu tun haben“ (Corriere del Ticino, vom 2. Juni 2006).
Trotzdem haben die Journalisten jahrelang Herrn Nada weiterhin diffamiert.

[14Siehe: Film von Andrea Canetta über Youssef Nada ( RTSI )
“Nel nome dell ’ uomo” , gesendet am 2.November 2008
http://www.rtsi.ch/trasm/storie/welcome.cfm?idg=0&ids=0&idc=35702

[16Siehe: Einen Artikel von Oriana Fallaci vom 25. September 2001, veröffentlicht in „ Corriere della Sera“ aus dem später ein Buch wurde.
„Die Wut und der Stolz“, Verlag List (August 2002). „Die Kraft der Vernunft“, List Tb. Auflage, 1 (April 2006).

Über die islamophoben Unterstellungen von Oriana Fallaci siehe:
- Stefano Allievi: « Niente di personale, signora Fallaci », Aliberti, 2006.
- Stefano Allievi: « Ragioni senza forza forze senza ragione : una risposta a Oriana Fallaci », EMI, 2004.
- Giancarlo Bosetti: « Cattiva maestra », Marsilio, 2005.
- B. Cousin und T. Vitale : « Oriana Fallaci ou la rhétorique matamore », Mouvements, Nummer 23, 2002.

[17Siehe Artikel auf italienisch von Olimpio Guido:
- “Da Bergamo a Kabul : così il marocchino reclutava militanti”, Corrriere della Sera, 20. November 2001.
- “El Kassim, l’ insospettabile di Bergamo che arruolava volontari della Jihad Guido Olimpio”, Corriere della Sera, 22. Mai 2003.
- “Il mistero di El Kassim, da Bergamo a Casablanca (via Kabul)”, Corriere della Sera, 22 Mai 2003.

[18Der aktuelle Aussenminister, Franco Frattini, war vom 11. 6. 2001 bis zum 13.1.2002 “Ministro per La Funzione Pubblica e per il Coordinamento dei Servizi di Informazione e Sicurezza

[19Rhetorik zum Thema in der Artikelsammlung von Guido Olimpio : “La rete del terrore”, Sperling & Kupfer, 2002.

[20Siehe: “Kriegsjournalismus und Krieg gegen den Journalismus”, von Abbas Aroua, Fondation Cordoue de Genève, 27. Juni 2008.

[21Alan Hart, ehemaliger Chef-Korrezpondent im Mittleren Osten vom britischen Fernsehsender Independent Television News [ITN], Moderator der berühmten BBC-Sendung Panorama und Autor des Buches :“Zionism: The Real Enemy of the Jews“.